Infoabend am 24.9. „Radical Therapy“: Noch Plätze frei

Es gibt noch Plätze für den Infoabend der Widerstandsnomad*innen.
Der Raum steht auch mittlerweile: Im Clubhaus (Wilhelmstraße 30) Raum 2. (Wenn man vorm Clubhaus steht, durch die rechte Tür und dann die Treppen ganz hoch).
Wer noch mag, gerne kurz ne Mail schreiben.

Flyer Vorderseite RT

Rückseite Flyer RT

Infoabend der Widerstandsnomad*innen zu „Radikaler Therapie“: Termin steht

Der Termin für den Infoabend (Beschreibung im vorletzten Post) steht : 24. September 2019, 17:00-21:00 Uhr

Wer sich noch anmelden will, schreibe gerne eine Mail- es gibt noch Plätze (Mailadresse unter „Kontakt“)

Ort steht doch nicht fest, wird hier und per Mail dann noch bekanntgegeben.

Sendung beim „Freien Radio Wüste Welle“ inklusive der Audio-Aufnahme des letzten Vortrags über Psychiatrie im Nationalsozialismus (Dr.Siemen)

Die gesamt Sendung ist hier zu hören:

Die isolierte Audioaufnahme des Vortrages allein ist hier zu hören:

nur Vortrag Psychiatrie im NS

Anmeldung Infoabend der Widerstandsnomad*innen zu „Radikaler Therapie“

Liebe Psychiatrie-Kritik Interessierten in Tübingen,

die Widerstandsnomad*innen würden einen Infoabend zur Praxis vom Konzept „Radikaler Therapie“(RT)-Zirkel geben. Wenn nach dem Infoabend genügend Menschen interessiert sind, würden die Referent*innen noch zu weiteren Terminen kommen, die dann ausgemacht würden, um das ganze Wissen zu RT der Gruppe zu vermitteln, die sich dann unabhängig weitertreffen könnte.

Mögliche Termine für den Infoabend wären:

Montag, 16.09.2019
Dienstag, 17.09.2019
Montag, 23.09. 2019
Dienstag, 24.09.2019
wenn es genügend Interessierte gibt, die aber an keinem der Termine können, würden wir für November oder Dezember einen Termin ausmachen

Da die Referent*innen aus Berlin kommen und erst ab 10 Teilnehmer*innen der Infoabend stattfindet, schickt bei Interesse bitte eine Mail an: pkit@posteo.de . Schreibt in diese Mail auch, an welchen der Termine ihr Zeit hättet- bzw. ob ihr an keinem der Termine Zeit hättet, aber interessiert wärd. Wenn ihr abends erst ab einer bestimmten Uhrzeit kommen könnt, schreibt das auch in die Mail. Sobald ein Ergebnis feststeht, würde ich dann zurückschreiben. Ihr könnt auch natürlich noch Fragen stellen.

Hier die ganze Einladung:

Einladung zu einem Infoabend über Radikale Therapie

„Radikale Therapie“ (RT) wird in der BRD seit Mitte der 1980er Jahre als gruppentherapeutisches Selbsthilfe-Verfahren ohne professionelle Therapeut_innen praktiziert wird. Die Durchführung, Leitung und Weitergabe des Verfahrens erfolgt kostenlos durch RT-erfahrene Personen im Rahmen selbstorganisierter Netzwerke.

Das therapeutische und theoretische Konzept von RT basiert auf verschiedenen Hintergründen:

• der Theorie und Praxis der Radical Psychiatry (RP).

• Den Arbeits- und Unterstützungstechniken aus dem Co-Counseling (CC)

• der Theorie und Praxis der Transaktionsanalyse (TA)

• der Theorie und Praxis der feministischen Bewegung

Die Bezeichnung „radikal“ benennt in der Tradition der Radical Psychiatry Anliegen, individuelle Probleme auch in ihren zugrundeliegenden gesellschaftlichen Ursachen zu begreifen und zu bearbeiten.

Radikale Therapie in der Praxis heißt, sich zu acht bis zwölft für ein Jahr wöchentlich zu treffen. Grundlegende Prinzipien und klare Abläufe sorgen für Sicherheit. Die Sitzungen werden wechselnd von allen geleitet, die nötigen Techniken und Regeln werden in zwei Startwochenenden von Erfahrenen beigebracht.

Am XX-XX 2019 findet ein RT Infoabend in XX statt und wir laden hiermit herzlich dazu ein! Der Infoabend beginnt um XX:XX Uhr und dauert ca. 4 Stunden.

Wir wollen an diesem Abend einerseits erzählen, was RT ist, wie es entstanden ist und in welchen Strukturen „gearbeitet“ wird. Den Schwerpunkt möchten wir jedoch auf die Praxis von RT legen und deshalb wollen wir mit Dir /Euch praktisch ein paar Übungen machen. Wir möchten gern ein Gefühl dafür entstehen lassen, wie RT in der Praxis angewendet wird. Gleichzeitig werden wir erzählen, wie eine RT Gruppe in der Region entstehen kann.

Ein Kissen und/oder eine Decke sollte mitgebracht werden, um es sich bequem zu machen. Wir werden pünktlich anfangen.

Weitere Infos:

Websites

http://www.fort-frauen.de

http://www.mrt-maennergruppen.de/

https://www.radikale-therapie.de/de/

Artikel

https://www.radikale-therapie.de/RT-Texte/RT-Artikel-ZTA.pdf

https://oya-online.de/article/read/1808.html

https://www.radikale-therapie.de/RT-Texte/Kommunebuch.pdf

https://www.radikale-therapie.de/RT-Texte/Handbuch-Maennerarbeit.pdf

https://www.radikale-therapie.de/RP-Texte/IRT-Nr.21-1978-FORT-Artikel.pdf

Beste Grüße, Thomas von der Psychiatrie-kritischen Initiative

Vortrag „Radikalisierungsprozess in der Psychiatrie im Nationalsozialismus – von der Zwangssterilisation zu den Vernichtungsaktionen gegen ‚psychisch kranke‘ Menschen“ am 28.6.2019

Zeit: 28.6. 2019, ab 19:15 Uhr

Ort: Tübingen, Kupferbau (Hölderlinstraße 5), Hörsaal 22

Gesellschaftliche Exklusionsprozesse bergen in sich immer die Gefahr der Radikalisierung, die die Menschenwürde und das Lebensrecht der Ausgeschlossenen bedroht. Während des Nationalsozialismus sind 400.000 Menschen zwangsweise sterilisiert und 300.000 Menschen getötet worden, weil sie psychisch krank waren und sich abweichend verhalten hatten. Bereits vor 1933 hatte eine eugenisch-rassistische Radikalisierung der Anstaltspsychiatrie stattgefunden, an die im Nationalsozialismus angeknüpft wurde. In den großen psychiatrischen Anstalten begann sich mit der Entdeckung der Schocktherapien ab 1936 eine grauenhafte Ausgrenzungsdynamik von Heilen und Vernichten zu entfalten. Neben der Darstellung der Ereignisse werden soziologische, institutionelle politische und sozialpsychologische Entwicklungslinien skizziert, die dazu führten, dass Ärzte und Pfleger Menschen töteten.

Der Referent Hans-Ludwig Siemen beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit der Entwicklung der Psychiatrie im letzten Jahrhundert. Er hat viele Jahre in psychiatrischen Kliniken gearbeitet, gründete 1987 den sozialpsychiatrischen Verein „Die Wabe“ in Erlangen und war 20 Jahre deren Vorsitzender. Er ist als Psychoanalytiker in freier Praxis niedergelassen.

Flyer:

Vortrag Psychiatrie im NS

Vortrag Psychiatrie im NS Rückseite

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Kleiner Exkurs zu Psychiatrie im Nationalsozialismus in Tübingen (wird nicht im Vortrag behandelt, nur zur Ergänzung des Lokalbezuges):

Ein kleiner Textausschnitt über Psychiater in Tübingen zur Zeit des Nationalsozialismus aus „Zwischen Begeisterung und Opportunismus: Die Universitätsstadt Tübingen in der Zeit des
Nationalsozialismus“ von Benigna Schönhagen, Historikerin, Honorarprofessorin an der Universität Tübingen, Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben:

„Besondere Karrieremöglichkeiten boten die Biowissenschaften, die sich unmittelbar für die Verwirklichung der NS-Ideologie in Dienst nehmen ließen. Da avancierten dann Hochschullehrer zu Exponenten — unmittelbar auch Exekutoren — rassistischer Wissenschaft wie der Oberarzt an der Nervenklinik und Jugendpsychiater Robert Ritter. Seine rassen-hygienischen und erbbiologischen Untersuchungen führten zur anthropologischen Erfassung und Vermessung von „Zigeunern“ und sog. Zigeunermischlingen. Ritters Forscherdrang und Ehrgeiz machten auch vor KZ-Toren keinen Halt. Seine Karteien wurden zur Grundlage für die rigorose Verfolgung der Sinti. Ritter schlug vor, die Verfolgung auch auf sämtliche Ballastexistenzen, wie er sich ausdrückte, auszuweiten.29Ein besonderer Vertreter des Nationalsozialismus an der Universität war der ehrgeizige Psychiater und Vererbungsforscher Hermann F. Hoffmann. Mit seinen Vorstellungen von der Vererbbarkeit krimineller Veranlagungen bereitete er die rassenhygienische Gesetzgebung des NS-Staats wie das Sterilisationsgesetz und das Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher vor
„ Alle unsere praktischen Maßnahmen und auch unsere wissenschaftliche Forschungen sollen daher unter der Leitidee stehen, Wert und Bedeutung des einzelnen für die Gemeinschaft zu steigern, … Unwert aber zu beseitigen, auszumerzen oder zum mindesten sein Unwesen auszuschalten,“
lautete seine Überzeugung.30 1936 unter politischem Druck zum Rektor der Universität gewählt, ließ sich der Mitbegründer der Wissenschaftlichen Akademie des NS-Dozentenbundes für die traditionsreiche Rektorengalerie nicht wie üblich im Talar, sondern in Uniform der SA malen, was seinem nationalsozialistischen Missionseifer entsprach. In den 60erJahren von Studenten wieder „entdeckt“, wurde dieses Ölgemälde zum Anstoß der Studentenbewegung in Tübingen und ihrer Auseinander-setzung mit der braunen Vergangenheit der Universität.31

29.Irmgard Bumiller, „Getarnter Schwachsinn“. Der Tübinger Beitrag zur nationalsozialistischen „Zigeuner“-Verfolgung, in: Nationalsozialismus in Tübingen. Vorbei und vergessen, Katalog zur Ausstellung, hg. von Benigna Schönhagen. (=Tübinger Kataloge 36),Tübingen 1992, S.103-111.
30.Martin Leonhardt, Der „Rektor in SA-Uniform“: Hermann F. Hoffmann, in: Ausstellungskatalog Nationalsozialismus in Tübingen. Vorbei und vergessen, 1992, S. 112-120,hier S.116; ders., F. Hoffmann (1891-1944). Die Tübinger Psychiatrie auf dem Weg inden Nationalsozialismus, Sigmaringen 1996.
31.Siehe Nationalsozialismus in Tübingen. Vorbei und vergessen, S.414f.